“Das Leben geht nicht über Rosen“, ist ein Sprichwort, das häufig ausgesprochen wird, wenn jemand Probleme hat oder anfängt zu klagen.
Der eine klagt und stöhnt bei den kleinsten Unannehmlichkeiten während der andere sein oder ihr Leben lang nicht klagt und selbst still und leise die Probleme des Lebens hinnimmt.
Ein Leben ohne zu klagen, sehen wir vor allem in der älteren Generation. „Nicht stöhnen! Nicht klagen! Mach weiter! Geh vorwärts, es kommt alles wieder gut!“, sind Worte die den Kindern mitgegeben sind in Zeiten von Krieg und Armut oder weil es die Eltern ebenso erfahren haben. An allen Ecken und Enden fehlte es in schwierigen Zeiten. Eltern ohne Zeit, Geld und Energie für das Murren der Kinder. Spielzeug gab es nicht oder kaum. Kinder mussten draußen spielen oder sich drinnen mit dem beschäftigen was es gab. Ein emotionaler Druck lag auf den Kindern hervorgerufen durch Krisenzeiten. Alle mussten irgendwie „funktionieren“.
Wie wird Klagen erfahren?
Heutzutage wird für die kleinste Kleinigkeit „Dampf abgelassen“: das Wetter, nicht freundliche Kollegen, Freunde oder Nachbarn oder etwas das nicht gelingt usw. Durch unser Klagen erhalten wir nur allzu schnell Beachtung.
Mittlerweile gilt es als bewiesen, das klagen selbst gesund sein kann. Klagen dient als „Ventil“ für Spannung oder Frustrationen. Es ist dann eher eine Art „Dampf ablassen“. Wir fühlen uns á la Minute erleichtert und atmen auf. Teilen von Problemen (also auch klagen) fördert die soziale Bindung und verstärkt zwischenmenschliche Beziehungen.
Na wie klingt das?? Klagen bindet die zwischenmenschlichen Beziehungen! Die Klage von David fördert also die Bindung zu seinem Gott. David suchte nicht die Bindung zu seinen Mitmenschen. David erzählt dem Herrn von seinen Problemen.
Ist es heutzutage anders? Einerseits entsteht eine Verbindung durch klagen, andererseits kann es zu einem Gewohnheitsmuster werden. Unser Gehirn registriert Klagen als Negativität. Klagen wir zu viel, sucht unser Gehirn nach etwas was verkehrt gehen kann wodurch das Klagen nur noch verstärkt wird. Der Klagende kann in einen Teufelskreis zurechtkommen mit allen möglichen und unmöglichen Folgen. Tja, das klingt gar nicht toll!
Klage von David - Klage von uns
David war kein klagender Mensch. Er war ein Mensch, der mit all seinen Mühen bei Gott kommen konnte. Sicher, er hat Freunde gehabt, die ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen wollen. Aber als Anführer einer Gruppe von Männern mit ihren Familien oder als König hat David sich stets erst an Gott gewandt.
David hat Zeit seines Lebens Gott vertraut. Darum konnte David den 27. Psalm beginnen mit einem furchtlosen Vertrauen in Gott. Gott ist seine Kraft, sein Schutz, seine Lebensvision (Verse 1 und 3). David bezeugt einen felsenfesten Glauben in den Herrn. Er weiß der Gegner, der Feind, wird fallen. Gott steht an Davids Seite (Vers 2). Es ist Davids größter Wunsch „den Herrn zu sehen“ und „beim Herrn, in dessen Haus, Zuflucht zu finden“ (Vers 4). Was für eine Liebe in und was für ein tiefes Verlangen nach Gottes Nähe erfahren wir in Davids Worten.
Ab dem 7. Vers erzählt David Gott ganz deutlich, dass trotz des großen Vertrauens die Dinge einfach nicht nach seinen Vorstellungen laufen. David wendet sich persönlich an Gott. Dort, wo in den ersten Versen noch über Gott gesprochen wird, wendet David sich in den Versen 7 bis 13 direkt mit seinen Klagen an Gott. Es fühlt sich an als ob der Himmel geschlossen ist. Hat David einen Fehler begangen? Menschen haben ihn verlassen. Hat Gott sich ebenfalls abgewendet???
In dieser Situation kann die Abwärtsspirale seinen Anfang finden: Niemand hört, niemand hört zu! Unser Gehirn empfängt nur die Einsamkeit. Was nun? Hilflosigkeit macht den Weg frei und eine Kontrolle von außen (in negativem Sinn) wird möglich. Die Eigenverantwortung verwischt, ja, verschwindet selbst. Außenstehende sind gezwungen die Probleme zu lösen.
David dagegen lässt nicht zu, dass sich Hilflosigkeit oder Einsamkeit einen Weg in sein Herz bahnt! Der Feind hat nicht, nein niemals, das letzte Wort! David klammert sich fest an seinen Glauben!
“Vertraue auf den Herrn“, sagt David zu sich selbst und zu uns. „Vertraue auf den Herrn“. David weiß, dass er Gott wieder loben wird. Das Lied beginnt mit einem Lobgesang und mit Vertrauen in Gott. Das Ende des Liedes will ihn und uns anspornen zu warten, zu vertrauen. Gott wird David stärken. In allem Elend und in allen Mühen ist David niemals allein. Ja, der Mensch meint zu fühlen und zu wissen, dass Gott nicht zuhört und nicht nahe ist. Das ist jedoch keineswegs Realität!
Genau wie David damals können wir aus den Erinnerungen an Gottes Treue zu Seinem Volk Israel schöpfen und an Gottes Treue zu den Menschen heute.
Klagen kann leider resultieren in eine bösartige Spirale von Einsamkeit und Negativität in leben, denken und fühlen. Klagende Menschen werden allein gelassen, weil sie zu viel Negativität verbreiten.
David ist sich bewusst, dass Gott bei ihm war, ist und immer sein wird. Die Güte und Liebe Gottes bringt David zurück von der demütigen Position des Beschwerdeführers zu der erhabenen Position des geliebten Kindes von Gott. David vertraut und liebt Gott.
Wichtig ist heute, sich, wie David, bis zu zweimal daran zu erinnern, unser Vertrauen in den Herrn zu stellen. Vertrauen ist gleichzusetzen mit Warten auf den richtigen Zeitpunkt. Wir realisieren uns außerdem, dass wir stark sind mit Gottes Hilfe und ein mutiges Herz erhalten. Menschen in jeder Zeit und in jeder Situation erfahren durch Davids Loggesang Unterstützung von und durch Gott. Und zwar in jedem Moment durch die Jahrhunderte und in jedem Moment unseres Lebens.
Welche Situation belastet Sie? Können Sie mit mir zusammen den Psalm 27 singen trotz ihrer momentanen Situation (Problemen, Klagen)?
Wollen Sie mir davon erzählen? Melden Sie sich gerne.
• Psalm 27: Vertrauen in Gott. Ein Psalm Davids.
1Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Bei Ihm bin ich geborgen wie in einer Burg. Vor wem sollte ich noch zittern und zagen?
2Wenn mich gewissenlose Leute in die Enge treiben und mir nach dem Leben trachten, wenn sie mich bedrängen und mich offen anfeinden – am Ende sind sie es, die stürzen und umkommen.
3Selbst, wenn eine ganze Armee gegen mich aufmarschiert, habe ich dennoch keine Angst. Auch wenn sie einen Krieg gegen mich beginnen, bleibe ich ruhig und zuversichtlich.
4Um eines habe ich den HEERN gebeten; das ist alles was ich will: Solange ich lebe, möchte ich im Haus des HERRN bleiben. Dort will ich erfahren, wie freundlich der HERR ist, und still nachdenken in seinem Tempel.
5Er bietet mir Schutz in schwerer Zeit und versteckt mich in seinem Zelt. Er stellt mich auf einen hohen Felsen,
6unerreichbar für meine Feinde ringsumher. In seinem Heiligtum will ich Opfer darbringen, voll Freuder für den HERRN singen und musizieren.
7Hoere mich, HERR, wenn ich rufe! Hab Erbarmen mit mir und antworte.
8Ich erinnere mich, dass du gesagt hast: „Suche meine Nähe!“ Das will ich jetzt tun und im Gebet zu dir kommen.
9Verbirg dich darum nicht vor mir, stoße mich nicht im Zorn zurück! Ich diene dir, und du hast mir bisher immer geholfen. Gib mich nicht auf, verlass mich nicht, du mein Gott und mein Retter!
10Selbst wenn Vater und Mutter mich verstoßen, nimmst du, HERR, mich dennoch auf.
11Zeige mir, was ich tun soll. Führe mich auf sicherem Weg, meinen Feinden zum Trotz.
12Liefer mich nicht ihrer Rachgier aus! Falsche Zeugen verklagen mich, sie speien Gift und Galle.
13Ich aber bin gewiss, dass ich am Leben bleibe und sehen werde, wie gut es Gott mit mir meint.
14Vertraue auf den HERRN! Sei stark und mutig, vertraue auf den HERRN. (Hoffe auf den HEERN, sei stark, und dein Herz fasse Mut – Ja, hoffe auf den HEERN!)


